Die beiden ältesten
provenzalischen Grammatiken
Lo donatz proensals und Las rasos de trobar
nebst einem
Provenzalisch-Italienischen Glossar
von neuem getreu nach den Hss. herausgegeben (= Mss.)
von
Mit Abweichungen, Verbesserungen und Erläuterungen sowie einem
vollständigen Namen- und Wortverzeichniss.
N. G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung. (Elwert)
1878.
Die Verlagsbuchhandlung.
Seinen geehrten Collegen
den Professoren
und
in treuer Freundschaft und dankbarer Gesinnung
gewidmet vom
Herausgeber.
(N. E. Las cifras de los manuscritos son caracteres difíciles de escribir. No hagan caso y consulten el original para comparaciones. El texto en alemán del 1878 es algo diferente al actual)
Vorwort.
Die nachstehend von neuem abgedruckten Texte sind uns in folgenden Hss. überkommen:
A: MS. No. 187 (früher 226 und 183) fondo di Santa Maria del Fiore in der Laurenziana zu Florenz 13. Jh. 33 Pergamentblätter in 8°.
Die Seiten sind nicht gespalten. Blatt 1 bis 28 steht der Donatus Provincialis und zwar der provenzalische Text desselben mit lateinischer Interlinearversion. Die Schrift der letzteren ist bedeutend feiner als die des ersteren. Oft sind die Schriftzüge verblichen und schwer leserlich.
B: MS. No. 42 Plut. 41 derselben Laurenziana. Besteht aus drei im Anfang des 14. Jh. in Italien geschriebenen Abtheilungen mit zusammen 92 Pergamentblättern. Die erste enthält eine provenzalische Liedersammlung und Coblas esparsas (ß ßb im Arch. Bd. 49 und 50 nach meiner Abschrift aber ohne meine Mitwirkung abgedruckt), sowie den lat. Text des Donat, nebst den provenzalischen Verballisten und der zweiten Hälfte des Rimariums, ferner ein prov.it Glossar und die Rasos de trobar. Der Schreiber dieser Abtheilung und zugleich muthmasslich der Verfasser des Glossars nennt sich Blatt 83c: Petrus Berzoli de Eugubio. Wegen des Inhalts der zwei anderen Abtheilungen der Hs. verweise ich auf meine Beschreibung im Arch. 49 S. 53 ff.
C: MS. No. 2814 (alt 486) der Riccardiana zu Florenz. Besteht ebenfalls aus drei gegen Ende des 16. Jh. geschriebenen Theilen, die schon durch verschiednes Format kenntlich sind. Zusammen enthält die Hs. 172 Papierblätter in 4°. Ich will den Beschreibungen Grützmachers (Arch. 33, 427) und Bartschs (Jahrb. XI S. 11 ff.) einige weitere Notizen hinzufügen und bemerke, dass ich eine vollständige Copie der Hs. besitze.
Theil I reicht bis S. 166*** und besteht aus 5 Lagen von verschiedner Stärke, welche zusammen 88 Blätter enthalten. Die Seitenzählung widerspricht, weil 126 doppelt gesetzt ist, 3 ungezählte Blätter vorauf gehen und 3 ungezählte Seiten auf S. 166 folgen. Die Seite 166*** sowie die 3 Anfangsblätter sind von anderer Hand beschrieben;
diese hat auch in die Texte aller drei Theile der Hs. Verbesserungen
eingetragen, die ihr eine Collation mit dem Original ergab.
Von der Hand dieses Correctors, der, wie sich zeigen wird, mit dem einstigen Besitzer unserer Hs. mit Piero di Simon del Nero identisch
ist, rührt auch der Vermerk auf S. 166**** 'riueduto' her.
Der erste Schreiber hat augenscheinlich anfangs grosse Mühe gehabt, das Original zu entziffern, nach und nach wird seine Schrift aber flüssiger und kleiner.
Theil II reicht bis S. 251** und enthält 11 vierblättrige Lagen.
Es ist dabei zu berücksichtigen, dass S. 184 durch falsche Zählung fehlt, S. 167 ein ungezähltes Blatt vorausgeht und S. 251 ein solches folgt. Das letztere ist leer, auf der Vorderseite des ersteren steht links oben 'Conc-to 1589' d. h. doch wohl: geschrieben im Jahr 1589, rechts davon etwas tiefer steht '2 Jaques Tessier de Tarascon' d. h.
Heft 2 vom Schreiber Jaques Tessier (oder Teissier, Jacopo Teissier wie er sich auf derselben Seite nochmals und auf S. 251 schreibt) de Tarascon (S. 251 de Tharascone). Die Schriftzüge des Namens stimmen zu denen des zweiten und auch des ersten Theiles. Theil I und II gehören somit unmittelbar zusammen und Theil I ist das erste Heft von Jaques Tessier. Das dem so ist, bestätigt das alte Dichterverzeichniss des Originals von Theil I und II in Theil III. Zu der Inhaltsangabe der uns durch Tessiers Copie erhaltenen Liedersammlung, welche Grützmacher Arch. 33, 428 ff. gab, ist nachzutragen: Bl. 2a oben folgende, für den Zustand des Originals zur Zeit der Copie wichtige, ital. Notiz des Correctors:
'Questa canzone era quasi scancellata e così il principio de la seguente et si è copiata conietturando dall ombre e uestigi delle lettere però ci può esser qualche errore'. - S. 74: Eine Notiz darüber, dass die Biogr. Bernarts del Ventador bereits im Original fehlte: 'Per la vita di B. d. V. ui è lasciato lo spatio come qui'. - S. 166*** folgende Notiz:
“Era scritto ina'zi si al principio del originale nelle carte che si soglion lasciar bianche per conseruare i libri cosi imperfetto' und nachstehendes Fragment eines sonst nicht erhaltenen Planh einer Frau um ihren Geliebten (Bartsch G. 461,2):
I.
Ab [lo] cor trist enuironat desmay
Plorant mons uulls (1) e rompen los cabels (dels uels)
Sospirant fort lasse conget (2) pendray (las ieu comiat)
De fin amor & de totz sonz coussells (3) (sos consels)
Car ia nom platz aymar hom q 'l mo' sie
De arc nauant (4) ne portar bon voler (Doren avant)
Pus mort crusel ma tolt cel qeu uolie
Trop mais que me sens negun mal sauber (.)
II.
E per aiso fauc lo capteniment
Desesperatz e farai chascun iorn
Ab trist semblans & darai en tenen
A totz aicels que' vey anar entorn
Que' me nols (5) qual aver nul esperance
Ans podon be sercar en autre part
Dona qels am o qels don s'amistance
Car eu damor e de joi(e) me depart
(5: Hs. unterpunktirtes n und darüber u.)
III.
E si del mon po(l)gres pendre coiniat (6) (comiat)
Ab grat de deu axi' cu' fau damor
Totz mo's parens sequer …
Plandrie' pauc aitant vist ab dolor
E per aico prec la mort sans demore
Gengua de faitz … (7: Bemerkenswerth sind französischen Schreibungen dieses bisher ungedruckten Textes, welche auf einen franz. Schreiber der Vorlage deuten, so dass das Original Tessiers vormals mi Besitze eines Nordfranzosen gewesen sein mag.)
S. 167: Ein auch bei Bartsch G. 366, 31 übersehenes Gedicht Peirols.
Das Original selbst, welches der Sammler Bernart Amoros zusammenstellte, ist allerdings verloren, das erhaltene Dichterverzeichniss lässt aber deutlich erkennen, dass die beiden Hefte von Jaques Tessier nur etwa die ersten zwei Fünftel desselben wiedergeben. Nicht ersichtlich war aus dem Dichterverzeichniss, ob die 81 ersten Blätter des Originals vollständig von Tessier copiert seien. Bartsch hatte bereits angenommen, dass die Lieder einiger Dichter nur zum Theil abgeschrieben seien und angegeben, dass Jordan de Bonel wie Peire de Maenzac ganz ausgelassen seien. Von 37 dieser ausgelassenen
Lieder sind uns wenigstens Varianten erhalten, welche von dem Corrector unserer Hs. Piero di Simon del Nero in für ihm angefertigte Copien der Liedersammlungen c (= c.a in meinem Besitz) und F
(in der Hs. 2981 der Riccardiana = Fa Varianten zu No. 156 meines
Abdrucks der Blumenlese von F eingetragen worden sind.
Dass diese Varianten wirklich demselben Original entnommen sind wie die Copien Tessiers, wird nach folgender Darlegung nicht bestritten werden können. Heft 1 von Tessiers Copie beginnt mit der von Piero del Nero geschriebenen und mehrfach abgedruckten Vorbemerkung des Sammlers Bernart Amoros. Diese selbe Vorbemerkung findet sich nicht nur nochmals von anderer Hand im dritten Theil unserer Hs. Bl. 28b, sondern auch auf einem losen Blatte, welches zu der erwähnten Copie von c gehört und ihr gegenwärtig vorgebunden ist. Die Schriftzüge sind die Piero del Neros. Eine wichtige it. Notiz Pieros ist hier aber noch vorausgeschickt: 'Principio del libro di poeti provenzali, il cui originale è del Sr. Lione Strozzi.' Die Sammlung von Bernart Amoros befand sich also zu jener Zeit im Besitz Lione Strozzis und wird wohl von ihm aus Frankreich mit nach Italien gebracht worden sein. Mancherlei Nachforschungen über den Verbleib der Hs., welche ich in Folge dieser Notiz seiner Zeit in Florenz (c u. F oder Fa gehörten später Carlo Strozzi) anstellte, sind leider vergeblich geblieben. Aber die Varianten in c.a und Fa werden ausdrücklich als aus Bern. Amoros Sammlung geschöpft bezeichnet, indem von Pieros Hand die Notiz: Riscontra col libro del st Lione Strozzi (später meist nur: L. S.) beigefügt ist. Solche Varianten finden sich zu den auf Bl. 1b - 3b, 6a - 8a, 9b - 14a von c stehenden 19 Liedern Guirauts de Borneill, zu 2 Liedern Arnaut Daniels in c Bl. 37a 40a zu 8 Peire Vidals in c Bl. 60a 62a, 63a 65b 66b 69b 71b 74a, zu 2 Peire Raimons de Tolosa in c Bl. 76b 78a, zu 1 Peire Bremons in c Bl. 82b zu 5
Peires d'Alvernhe: c 86ab, 87b 88b, 89a und zu 1 Jordan Bonels in
F No. 156 (s. meinen Abdruck). Nur das Lied Peire Bremons gehört einer späteren Stelle des Originals als Tessiers Copien an (doch folgt Peire Bremon = Ricas Novas unmittelbar auf Raimon Jordan, mit dem das zweite Heft von Tessier schliesst. Keines der 38 Lieder befindet
sich in diesen Copien. Bartschs Annahme von der Unvollständigkeit
der Copien muss somit noch bedeutend erweitert werden. Das ergiebt sich auch aus einer Vergleichung der Lieder- und Blatt-Zahlen.
Erhalten sind uns 230 + 37 Lieder der ersten 81 Blätter. Die
Gesammtzahl der Lieder betrug 705, davon standen 73 Tenzonen auf den ungezählten Blättern, auf den Bll. 82 bis 174 d. h. auf 93 Blättern
müssten demnach 365 Lieder gestanden haben, wenn die Liederzahl
der ersten 81 Blätter nur 267 betragen hätte. Durchschnittlich enthielt von den 174 Bättern jedes 3,632 Lieder, danach würde jedes der ersten 81 Blätter aber nur je 3,296, jedes der letzten 93 Blätter dagegen je 3,924 enthalten haben müssen, ein Verhältniss, welches um so unwahrscheinlicher ist, als die 93 Blätter Sirventesen enthielten. Auf die Untersuchung Groebers über die Quellen Bernarts Amoros einzugehen ist hier nicht am Platze.
Theil III der Hs. zeigt eine selbständige Blattzählung und besteht aus 40 weitläufig (geschriebnen) geschriebenen Blättern. Die Schriftzüge scheinen dieselben zu sein, welche in einem Namens- Vermerk auf S. 166*** des ersten Theiles: Antonio Martellino vorliegen. Dies wird also der Name des Schreibers von Theil III unserer Hs. sein. Desselben
Schreibers Hand verdanken wir die bereits erwähnten Copien von c
und F (c.a und Fa). Vielleicht war der Schreiber ein Verwandter der ehemaligen florentiner Besitzer von F, des M. Marcello Adriani, der in einer Fa vorausgeschickten Notiz (Arch. 33, 425), und des M. Gio. Battista Adrian Marcellino, der in der älteren unvollständigen Copie von F, in No. 25 der Ambrosianischen Hs. D 465 inf. zu Mailand (Arch. 32, 423), genannt wird. Unseres Schreibers Name würde dann allerdings Antonio Marcellino lauten müssen, was indess wegen der Aehnlichkeit der Schriftzüge c und t keine Bedenken erregt. Da Antonio 1593 die Copie Fa anfertigte und in Theil I und II unserer Hs., welche 1589 geschrieben waren, seinen Namen eintrug, so wird er Theil III unserer Hs. ebenfalls etwa um 1594 copiert haben und zwar wie Fa im Auftrag von Piero di Simon del Nero (s. die Vorbemerkung desselben zu Fa Arch. 33, 425. Salviati bezeichnet Piero in seinen Avvertimenti della lingua, Venez. 1584 S. 106 als 'nobile e virtuoso giovane della mia patria' Piero heiratete 1585 Elena di Domenico Boresi. Seine reiche Hss.-Sammlung kam nach seinem Tode an Poggioli und später in die Palatina zu Florenz *).
(*) Ich verdanke diese Notizen durch Vermittlung meines Freundes Monaci dem Herrn Senator Taburrini. Ausser a, c.a und Fa scheint auch die Ambrosianische Hs. D 465 inf. in Pieros Besitz gewesen zu sein, da ich auch in Ergänzungen dieser Hs. Pieros Hand erkannt zu haben glaube. Piero besass unter anderen Hss. auch eine it. Liederhs. der Riccardiana sowie eine angeblich von Petrarca geschriebene Dante-Hs. s. Carducci Studj. Lett. p. 349 Anm.
Unser Theil III hatte ursprünglich einen (eignen) eigenen aber jetzt verlorenen Umschlag, auf welchem eine Textlücke der Rasos (s. unten S. 71, 34)
von Piero ergänzt war. Auch andere (Änderungen) Änderungen und Nachträge desselben finden sich hier, doch hat sonderbarer Weise weder er noch der Schreiber die falsche Blattlage des Originals bemerkt, (s. Abw. zu 10, 43.) Ausser dem prov. Text des Donat (dem aber die Verballisten und das Rimarium fehlen) und ausser den Rasos, welche auf den ersten 28 Blättern dieses Theiles von B stehen, enthalten die folgenden Blätter Copien der Vorbemerkung des Bernart Amoros und der
kürzeren Biographien, von welchen eine Anzahl in den ersten Theilen
der Hs. stehen, einige aber auch aus späteren, in diesen nicht copierten Stellen der Sammlung des Bernart Amoros entnommen sind.
Zum Schluss steht das mehrfach erwähnte Dichterverzeichniss dieser Sammlung *). (*) In Bartschs Abdruck desselben (Jahrb. 11, 13 ff.) haben sich einige Fehler eingeschlichen. Lies: 35 (st. 33) Peire Vidals; 44 Gaucelms (st. Gaucelins) Faiditz; (69 st. 65) G. de P. (schon Groeber in Boehmers Rom. St. II 505 hat hier einen Fehler vermuthet); 93 Naunerics = Naimerics (st. Haunerics) 162 (st. 161) Jaufre R.; 173 Giugo (st. Diugo); 152 Arnautz (st. Arnauts). Unter den Tenzonen: Raimon e Lantelm (st. Lautelm); Gaucelm Faidit e N Aimeric (st. N Aumeric), darauf folgt, ist aber im Druck ausgefallen: Guillem de bergadan e naumeric; Naugo (st. Haugo) e Bauzan; Nelias (st. Helias) e son cozin; Nebles (st. Nables) e. s. s.; Jaurel (vielleicht st. Taurel) e F. Unter den in A enthaltenen Biografien befindet sich auch eine Blacassets, was Bartsch Gr. p. 61 nicht angiebt.
D MS. D 465 inf. der Ambrosianischen Bibliothek zu Mailand, eine Sammelhandschrift, welche nach Mussafia, Del cod. Est. p. 341 aus der Bibliothek Pinelli stammt und wie ich oben erwähnte vielleicht auch Piero del Nero zugehörte. Der Inhalt der Hs. ist noch nicht hinreichend beschrieben. Grützmachers kurze Angaben Arch. 32, 424 ff. erheischen mehrfache Berichtigungen, so soll No. 29 der Hs. auf 2 Blättern prov. Phrasen mit it. Erklärung enthalten, in Wirklichkeit stehen daselbst aber 19 Coblen des Gedichtes von Guillem de Figueira Dun siruentes far (B. G. 217, 2), welches sich nur noch in BCR findet und nach BR in Bartschs Chrestomathie Sp. 197 und wohl nach C in R. Ch. IV 309 gedruckt ist. Unser Text scheint von denen der (andern) anderen Hss. unabhängig. Ich theile Cobla 1 und 2, welche ich mir seiner Zeit copiert habe, als Probe mit:
1) D'un siruentes far. 2) Nom merauill ges.
En es ço qe magensa. Roma si la gens erra.
Non uueill plus tardar. Qe segle haues mes.
Ni far long atendenza. En trabaill et en gerra.
E sai ses doptar. Don preç e merces.
Qan n'haurai maluolensa. Mor per uos e saferra.
Car fatz siruentes. Roma engairitz.
Dels fals mals apres. Qe totz mals seguitz.
De Roma de en cui es. Car es de cima e raitz.
Cap de la decadensa. Lo pro rei d'engleterra.
Qe dechai totz bes. Fo per uos traitz.
Die ersten Reimworte der 17 weiteren Coblen sind: trichaitz, pecs, sachatz, saben, saraçis, razon, decern, grantz, aon, conort, hauer, tenetz, lutz, cardenals, enics, labor, glorios. Ganz unerwähnt geblieben ist No. 31, deren Schlussvermerk lautet: (Lultimo) L'ultimo foglio dell' opera di Frà Ramondo di Cornet in lingua Catelana riueduto e glosato da Giouanni (Giovanni) di Castelnuovo (Castelnou, Castelnau). L'archetypo era in berg (d. h. bergamina) in f° magg. a colonne in mano di Pietro Galesio. Es liegt hier offenbar dasselbe Werk vor, welches sich in einer
Madrider Sammelhs. findet und nach Meyer (Rom. VI 342) sonst nicht erhalten ist. Vielleicht hat unsere Mailänder Hs. noch andere Stücke mit der Madrider Hs. gemeinsam. Ich habe leider keine Zeit gehabt, seiner Zeit den Inhalt von D eingehend zu prüfen. Wegen No. 25 verweise ich auf die Bemerkungen hinter meinem Abdruck von F (S. 65). No. 24 trägt die Überschrift: Il sugetto del libro delle rime provenzali del Barbiero.
Es ist ein Brief Lodovico's dei Barbieri vom 28. Juli 1581 aus Modena an Giacobo Corbinello in Paris geschrieben, offenbar derselbe Brief wie der von Mussafia (Die prov. Liederhss. des Giovanni Maria Barbieri, Wien 1874 S. 202) erwähnte, welcher allerdings den 18. Juli 1581 als Datum trägt. Ausserdem liegt wohl hier der Originalbrief vor (vgl. Mussafia, Del cod. Est. S. 341 Anm. 3). Barbieris bekanntes unvollendetes Werk, welches Tiraboschi mit dem Titel Dell' origine della poesia rimata 1790 veröffentlichte, sollte also eher libro delle rime provenzali betitelt werden.
Für die nachstehende Ausgabe der provenzalischen Grammatiken sind mehrere Nummern von Interesse. Den provenzalischen Text des Donat bietet No. 35. Die lat. Übersetzung fehlt hier gänzlich auch für die Verballisten, das Rimarium ist durch ein ganz verschiedenes Reimwörterbuch ersetzt. Ich verdanke der Freundlichkeit Pio Rajnas Abschrift des letzteren und Collation des übrigen Textes. Von der Hand Piero del Neros (s. B) rührt muthmasslich die dem Rimarium voraufgeschickte Notiz und der Anfang des Rimariums Z. 1-17 her (s. unten S. 105).
Die Nummern 27 und 36 enthalten zwei von einander unabhängige ital. Übersetzungen des Donat, die erstere scheint nach dem Text D angefertigt, da auch hier nur die Verballisten stehen, die letztere entbehrt auch diese. Mussafia, die prov. Hss. des G. M. Barbieri S. 206, spricht die Vermutung aus, dass eine dieser Übersetzungen von Barbieri herrühren könnte. Ich habe leider seiner Zeit verabsäumt, genauere Kenntniss von ihnen zu nehmen, da mir bei meinem kurzen Aufenthalt in Mailand der Gedanke an eine neue Ausgabe der Grammatiken noch fern lag. Von Interesse dürften noch die Nummern 26: Vocab. d. lingua prouenz. di Honorato Drago und 34: Reimfolgen bei Peire d'Aluerne, zusammengestellt von Veniero (nach Grützmacher) sein, ich habe indess keine nähere Kenntniss von denselben.
*CF = Hs. 80 Plut. 45 der Barberinischen Bibliothek zu Rom besteht aus 2 Theilen. Der erste von Bl. 3 bis 33 ist von Federico Ubaldini dem Herausgeber der Documenta amoris des Francesco da Barberino (Rom 1640) geschrieben, wie aus einem Autograph desselben auf Bl. 1 hervorgeht. Er enthält ausser kürzeren Citaten, Trobador-biographien und Kreuzlieder, welche bis auf eines einer verlorenen Schwesterhs. von R, auf die auch D hinweist, entnommen sind. Das Gedicht Sordels ist, scheint es, aus F (Fa) welches es allein noch bietet, copiert. Die Blätter 34-85 enthalten eine Copie des Donat und der Rasos de trobar, welche auf unserer Hs. B beruht. Ich verdanke Monacis Freundlichkeit eine Collation der Verballisten und des Rimariums dieser Copie.
F = Hs. der florentiner Marucelliana Trib. 2 Scaf. B Vol. 17. Ebenfalls eine Copie des Textes 33 von Donat und Rasos s. Arch. 33, 412 und 368.
O = Hs. 7534 fonds latin der Pariser Nationalbibliothek. Ebenfalls eine Copie desselben Textes von Donat und Rasos s. Romania II 338 Anm.
B = eine Hs. der Nationalbibliothek zu Madrid, welche erst im vergangnen Jahr aufgefunden und von Milá y Fontanals in der Revista de Archivos, Bibliotecas y Museos beschrieben worden ist.
Es ist eine im 18. Jh. angefertigte Copie einer verschollnen Hs., welche
Jaime de Villanueva in einer Klosterbibliothek Barcelonas sah. Sie enthält unter anderen interessanten Tractaten (s. Rom. VI 341 ff.) auch die Rasos. Dieser Text ist von Meyer in der Romania VI 344 ff. soeben herausgegeben worden.
3:
eine jetzt verschollne aber von Rochegude in seinem Gloss. Occ. (s.
seine Préface S. 49. 50) benutzte Hs., wohl eine Copie unserer Hs.
U. Rochegudes Angaben darüber sind allerdings unklar. Er sagt bei
der Beschreibung von O: Ce Manuscrit (O) et le suivant (3?) sont deux
copies, dont les originaux existent dans la bibliothèque Laurentiane
de Florence, pluteo 41 no. 34 (für diese falsche Bezeichnung
verweist er auf Montfaucon, Bibl. bibliothecarum p. 323 col. 2 B) 3
beschreibt er folgendermassen: 'Un glossaire lat. et prov., in - 4°
(O ist nach Rochegude petit in - folio), sur papier, écriture du
seizième siècle, imparfait au commencement. Nous l'avons fondu dans
le nôtre.'
Wiewohl diese Worte eher auf das unvollständige
Rimarium in O als auf eine Copie des vollständigen Rimariums in U
passen, scheint mir dennoch nach genauer Vergleichung der Formen und
Übersetzungen in Rochegudes Glossaire mit dem Rimarium des Donat
Rochegudes Benutzung des vollständigen Rimariums der Hs. U, die zu
seiner Zeit bereits der Laurenziana angehörte, unleugbar. Man
vergleiche Rochegude für nachstehende Reimworte: 40(1) 17, 19, 28,
32; 40(2), 3, 9, 14, 17; 41(1), 9, 12, 28; 41(2), 45; 42(1), 19;
42(2), 45; 43(1), 1, 29, 32; 43(2), 14; 44(1), 44; 44(2), 36; 45(1),
35; 46(2), 3, 6; 47(1), 18, 32; 49(1), 31; 50(2), 41; 58(2), 35;
63(2), 26; 65(1), 1. Dass Rochegude eine Copie von U vorgelegen hat,
wird durch Guessards Angabe (Gr. pr. 2 ed. Préf. LXIII) noch
wahrscheinlicher, wonach sich Copien von U wie B unter Sainte Palayes
Papieren befanden, welche allerdings nicht direkt den Originalen
entnommen, sondern von Abschriften, welche sich ein Herr de Mazaugues
verschafft hatte, copiert waren. Diese Copien und Abschriften sind,
scheint es, verloren gegangen. Vielleicht geben indess die
angekündigten Provençalistes du XVIIIe siècle, lettres inédites
de Sainte-Palaye Mazaugues etc. herausgegeben von J. Bauquier darüber
Aufschluss.
In wie ausser der Provenze scheinen die Rasos schnell zu grossem
Ansehen
gelangt zu sein, während der Donat nur in Italien Verbreitung
gefunden zu haben scheint. Meyer hat (Rom. VI, 353) hinter dem Texte
H der Rasos eine kurze Doctrina de compendre dictats veröffentlicht,
welche sich als Fortsetzung der Rasos ausgiebt, aber sehr
unvortheilhaft davon absticht. Meyer ist der durchaus zu billigenden
Ansicht, dass die Doctrina jedenfalls nur als Auszug einer Arbeit
Raimon Vidals anzusehen wäre, wenn nicht überhaupt gegen dessen
Autorschaft an derselben mancherlei Bedenken geltend gemacht werden
müssten, denen freilich andere Gründe für die Zugehörigkeit der
Doctrina zu den Rasos gegenüber ständen. Weitere catalanische
Abhandlungen, welche auf Raimons Rasos beruhen, sind in unserer Hs. H
enthalten und werden von Meyer demnächst veröflentlicht werden. Ich
verweise indess auf Rom. VI 341 ff. und F. Wolf's Studien z. sp. Nat.
Lit. S. 237 ff. Die älteste Erwähnung der Rasos findet sich in den
Leys d'Amors T. II p. 402.
Diez I34 91 vermuthet von Seiten der
Leys auch eine Bekanntschaft mit dem Donat, welche mir indess nicht
nachweisbar erscheint. Es wäre interessant, liegt mir aber
gegenwärtig fern, eingehend zu untersuchen, wie weit die Leys sich
Raimon anschliessen und in welchen Fällen sie ihm widersprechen. So
billigen sie die von Raimon geforderte Scheidung der
1 s. prt.: parti sufri, trahi, noyri, vi u. s. w. von der 3 s. prt. partic
u. s. w. (II, 376), vertheidigen aber gegen Raimon den Gebrauch von
tenir, retenir neben tener, retener (II, 402) und den von cre für crei
(II, 370). An einer andern Stelle erklären sie liau (für leals) als 'mots gasconils' und wollen nur vila, chanso zulassen, fin neben fi nur ausserhalb des Reims besonders vor Vocalen (II, 208).
In Italien waren Donat und Rasos ziemlich gleich verbreitet, etwas mehr wohl der Donat. Die Hs. U, welche den Donat allein bietet, ist älter, als B, welche zugleich auch die Rasos enthält, die Hs. D kennt nicht nur den prov. Text des Donat, sondern auch zwei ital. Übersetzungen desselben, deren eine, wie oben erwähnt, von G. M. Barbieri herrühren könnte. Dieser ist auch, so viel mir bekannt, der erste Italiener, welcher die Rasos erwähnt (Origine della poes. rim. p. 28). Nach ihm wird von den Italienern fast ausschliesslich der Donat erwähnt, so von Federigo Ubaldini in der Tavola zu seiner Ausgabe der Documenta amoris Rom. 1640, nach Guessard bei den Worten: accolto, atiera, bigordare, gautata, moscare, ostare, trovare etc. Wir sahen oben, dass der erste Theil unserer Hs. CF von Ubaldini herrührt. Auch Francesco Redi Bacco in Toscana Napoli 1687 Bl. 111, 194, 252, 253, 254, 256 und 262 bezieht sich nach Guessard auf den Donat, ebenso Anton Maria Salvini in seinen Prose Toscane les. 224 car. 312 und Crescimbeni Istoria della volg. poesia Roma 1710 vol. II parte I p. 28, 75. Antonio Bastero war der erste, welcher in seiner Crusca provenzale Roma 1724 aus Donat wie Rasos Proben mittheilte. Ihm waren die Hss. U und B bekannt. U befand sich damals noch in Santa Maria del Fiore. Die Autorschaft Uc Faidits ist ihm unbekannt (s. Crusca p. 2), wiewohl er S. 110 den lat. Schlusspassus der Hs. U mittheilt. Ebenso sagt er vom Donat:
'Questa grammatica credo, che sia la prima, che sia stata fatta tra le
lingue volgari'. S. 139. 140 giebt Bastero bereits die wichtige Regel des
Donat über den Unterschied der Casus im Provenzalischen, deren Auffindung später mit Unrecht Raynouard zugeschrieben wurde (s. unten
2, 46 bis 3, 23 und Schlegel Observations sur la littérature prov. Note 16 in seinen Essais littéraires Bonn 1842 S. 297). Von Bastero rührt auch der sowohl von Diez, Poesie der Tr. S. 314 wie von Guessard (erste Ausgabe) und Galvani (adoptirte) adoptierte Titel des Schriftchens von
Raimon Vidal her: La dreita Maniera de trobar. Er ist dem Eingang entnommen. Später geschieht unserer Texte und zwar der Hs. B im Catalogus codd. Mss. Bibl. Mediceae Laurentianae ed. Bandini, Florentiae 1778 in fol. Band V p. 166 Erwähnung. Tiraboschi identifieirt in der Ausgabe von Barbieris Origine della poesia rimata 1790 S. 170 bereits den Verfasser der Rasos mit dem Novellendichter.
Sainte Palaye, der eigentliche Begründer provenzalischer und altfranz.
Studien, war der erste Franzose, welcher unsere Texte beachtete.
Er hatte sich in der 2. Hälfte des 18. Jh. Copien der Hss. U und B
verschafft (s. Beschreibung der Hs. 3), hat dieselben aber, scheint es, für sein handschriftlich gebliebenes Glossaire de la langue des Troubadours nicht verwertet, dafür vielmehr nur O benutzt. Nur kurz bespricht auch Raynouard im Jahr 1817 (Choix II S. CL ff.) unsere Abhandlungen, citiert aber bereits ausser UBO die Hss. CD und aus letzterer den Eingangspassus (s. unten S. 130) auf Grund dessen nach Guessards bis jetzt allgemein gebilligter Ansicht Uc Faidit als Verf. des Donat anzusehen wäre (Vgl. dagegen unten S. 130). Raynouard hebt hervor, dass beide Werke, 'indiquent la règle qui distingue les sujets et les régimes soit au singulier, soit au pluriel' und erkennt auch bereits die Wichtigkeit des Reimlexicons: 'Ce qui rend le Donatus Provincialis un monument très précieux et très utile, c'est qu'il y est joint un dictionnaire de rimes pour la poesie romane; non seulement il indique un très-grand nombre de mots romans, mais encore il présente, dans la plupart des rimes, differentes inflexions des verbes, et toutes les terminaisons qui fournissent les rimes sont distinguées en brèves, 'estreit' et en longues 'larg'. Gleichwohl beruft sich Raynouard weder in seiner Grammaire noch in seinem Lexique Roman auf den Donat oder auf die Rasos. Wie schon bemerkt, hat auch Schlegel in seinen Observations und Diez Poesie der Tr. S. 314 auf dieselben hingewiesen. Guessard war es, welcher 1840 unter dem Titel: Grammaires Romanes inédites, du treizième siècle im ersten Band der Bibl. de l'École des Chartes S. 125 ff. die erste Ausgabe unserer Texte besorgte. Er druckte indess damals die Verballisten und das Rimarium des Donat nicht mit ab (s. S. 146). Sein prov. Text des Donat reproducirt sonst ziemlich genau den der Hs. U, abgesehen von geringfügigen orthographischen Änderungen und manchen, besonders in
den Beispielsammlungen zahlreichen, Lesefehlern und Auslassungen,
welche sich aus meiner Zusammenstellung S. 92 ff. ergeben. Der lat.
Text des Donat, welchen Guessard auf den unteren Seitenhälften mittheilte, ist der der Hs. B, welchem auch der Text der Rasos ziemlich
genau entspricht. Die Texte der Hss. C D und natürlich auch der der Hs. H waren dem Herausgeber nicht zur Hand. In den ziemlich ausgedehnten Vorbemerkungen bespricht er den schädlichen Einfluss, welchen, wie schon aus dem Titel ersichtlich ist, auf den Donat sein lat. Vorbild ausgeübt hat und giebt eine Analyse der Declinationsregeln beider Grammatiker. Er hebt dabei S. 135 den seiner Ansicht nach nur scheinbaren Unterschied zwischen Donat und Rasos betreffs des
Nominativs der Substantiva und Comparativa in -aire, -eire, -ire,
hervor: 'Le premier dit formellement que le s ne s'attache pas à ces noms, au nominatif singulier; le second n'en dit rien, et les exemples
qu'il cite sont tous écrits avec l's final. Mais ce n'est là probablement
que le résultat d'une erreur de copiste, à en juger par les manuscrits
des troubadours, où les noms ainsi terminés sont généralement écrits
sans s final'. Gegen diese auch in der zweiten Ausgabe aufrecht erhaltene Ansicht ist jedoch zu bemerken, dass die sämmtlichen Hss. der Rasos dieses s aufweisen, für den Donat aber B wie U das s weglassen.
Auch wiederholt sich dieselbe Erscheinung bei den Pronominibus und
hier gesteht Guessard sogar zu, dass wenigstens die Formen 'cels, aicels, aquels' der Rasos in den Hss. gewöhnlicher sind als die Formen des Donat: 'cel, aicel, aquel'. Hieran schliesst sich bei Guessard eine veraltete Discussion über den Werth oder Unwerth der Declinationsregeln und eine sehr kurze und mangelhafte Analyse der späteren Abschnitte des Donat. Es folgt dann eine im ganzen richtige Würdigung der Rasos, die durch die Lebendigkeit des Stils, durch die überraschende Schärfe und Selbständigkeit des Urtheils, durch die treffende Anwendung allgemeiner Grundsätze auf specielle Fälle, durchaus vortheilhaft von dem schwerfälligen und ganz dem lat. Vorbilde nachgebildeten Donat abstechen. Es folgt die Beschreibung der von Guessard benutzten Hss. U B, wobei jedoch irrthümlich die Jahreszahl 1310 am Schluss der Hs. B als für die Abfassung der ganzen Hs. giltig angesehen wird, während die letzten Blätter ursprünglich der Hs. gar nicht angehörten. Das Alter der beiden Werke setzt Guessard in das 13. Jh. und vermuthet, dass der Verfasser der Rasos mit dem Dichter Raymond Vidal de Besaudun identisch sein könnte. Dass diese schon früher geäusserte Vermuthung richtig sei, ergeben die schon erwähnte Stelle der 1841 veröffentlichten Leys d'Amors, auf welche zuerst Diez R. G. I2 106 aufmerksam machte,
sowie die Zeugnisse von Santillana und Villena, (s. darüber Wolf, Studien 237. 238). Guessard spricht ferner die Ansicht aus, dass der lat. Text des Donat eine Übersetzung des provenzalischen sei, welche vielleicht von Uc Faidit selbst herrühre. Er beruft sich für den ersten Theil seiner Ansicht auf die Unvollständigkeit der Hs. B, welche nur den lat. Text bietet und die zahlreichen prov. Beispiele zumeist durch 'sic' oder gar durch das entsprechende lat. Wort ersetzt. Schliesslich erwähnt Guessard, dass ihm die pariser Copie von B, unser O, hier und da von Nutzen gewesen, dass er aber mehrere Italianismen und Latinismen der Orthographie dadurch nicht habe beseitigen können; Raynouards System die Affixe zu trennen habe er nach dem Vorgange Fauriels in der Ausgabe der Chronique des Albigeois aufgegeben. Drei Jahre nach Erscheinen der Editio princeps veröffentlichte Galvani im 15ten Band der Memorie di Rel. Mor. e Lett. von Modena den Tractat Raimons nach der Hs. B, ohne jedoch von Guessards Ausgabe zu wissen. Im Gegensatz zu Guessard ging er mit der handschriftlichen Überlieferung sehr willkürlich um und stutzte sie nach seinem Gutdünken zurecht. Unter einer Menge höchst abenteuerlicher Änderungen finden sich indess auch manche glückliche und zwar selbst solche, welche durch die neu aufgefundene Hs. H bestätigt werden. Trotzdem Guessard im Avertissement zu seiner zweiten Ausgabe später gegen Galvani den gänzlich unbegründeten Vorwurf des Plagiates erhob (s. S. 132), hat er doch, wie meine Zusammenstellung der Abweichungen ergiebt, nicht verabscheut eine
Anzahl Lesarten Galvanis dieser seiner zweiten Ausgabe einzuverleiben.
Nach
Guessards Ausgabe sind Donat wie Rasos in Diez Rom. Grammatik 2.
Auflage gebührend verwerthet worden. Diez setzt die Rasos aus
inneren Gründen der Manier in die Mitte des 13. Jh (I3. S. 106),
ferner meint er mit Bezug auf Raynouards Angaben irrthümlich (I. S.
459 ff.) die Ausdrücke des Donat 'larg, estreit' (für welche die
Leys d'Amors 'vocals plenisonans und semisonans' anwenden), seien
Bezeichnungen für prosodische Länge und Kürze, sie seien nicht im
Sinne des ital. 'largo' und 'stretto' gebraucht. 1857 erschien eine
Programmabhandlung von Wildermuth: Über die drei ältesten süd- und
nordfranzösischen Grammatiken (d. h. Donat, Rasos und Palsgrave's
Esclarcissement), Tübingen 1857, welche ich durch gütige
Vermittlung meines Verlegers einsehen konnte. Dass darin über Donat
wie Rasos Gesagte ist jedoch veraltet, zumal 1858 Guessard eine
zweite Ausgabe unter dem Titel: Grammaires prov. de Hugues Faidit et
de Raymond Vidal de Besaudun. Deuxième édition, revue, corrigée et
considérablement augmentée
(Paris A. Franck 1858 8° LXIV und
86 SS.) veröffentlichte. Guessard hat für diese Ausgabe die damals
bekannten Hss. U B C D O neu verglichen, und die bisher ungedruckten
Verballisten sowie das Rimarium publiciert.
Die Préface ist im wesentlichen dieselbe geblieben wie in der ersten
Ausgabe,
nur die Beschreibung der Hss. ist vervollständigt und ein kurzes
Avertissement vorausgeschickt. Guessard sucht in dieser Ausgabe die
Priorität der provenzalischen Version des Donat vor der lateinischen
aus der Textüberlieferung der Hs. U zu erweisen und hält die lat.
Version für das Werk eines späteren Übersetzers, von welchem eine
Randnote (S. 18, 15, 16) herrühre. Er hätte sich hierfür auch auf
die in seinem Druck allerdings fehlenden Worte (s. unten S. 35, 17)
'sermo meus' berufen können. Doch scheint die frühere Vermuthung
Guessards, wonach die lat. Übersetzung vom Verfasser der prov.
Version selbst herrührt, weit wahrscheinlicher, wenn man bedenkt,
wie abhängig derselbe in seinem Stil vom Latein war, dass für die
zahlreichen prov. Beispiele die lat. Übersetzung auch in C
überliefert ist, und auch deutliche Spuren einer vollständigen lat.
Version in C erhalten sind, so 38, 44, 45, dass also die lat. Version
sicher bereits in dem für uns erreichbaren Originale stand. Guessard
spricht sich S. LXII nicht grade sehr bescheiden über diese seine
neue Ausgabe aus: 'Le texte que j'ai tiré de ces cinq manuscrits, à
moins qu'on en découvre quelque autre plus correct, pourra, je
l'espère, être considéré comme définitif.'
Seine Hoffnung
ist nicht in Erfüllung gegangen, denn auch ohne Einsicht
der Hss. konnte man das von ihm befolgte Verfahren nur missbilligen.
Guessard verfuhr nämlich bei dem Donat offenbar folgendermassen
(vgl. Avert. S. VIII): Er collationirte mit seiner ersten Ausgabe zunächst D dann C und zuletzt UB. Eine grosse Anzahl besonders orthographischer Abweichungen der Hs. D verdrängt deshalb in der neuen Ausgabe frühere (nur selten falsche) Lesarten. Wo der Text C dem Herausgeber das richtige zu bieten schien, setzte er denselben gleichfalls an Stelle des früheren, welcher einfach beseitigt wurde. Andere ihm gewichtig erscheinende Abweichungen des Textes C theilte er unter dem Text mit, aber auch nicht getreu der Überlieferung gemäss, sondern bald orthographisch, bald materiell zurechtgestutzt. Ein analoges Verfahren beobachtete er bei den Rasos, welchen er jetzt diesen von C gebotnen Titel zuerkannte. Meine Collation der Hss. hat ausserdem mancherlei nicht immer geringfügige Ungenauigkeiten der neuen Ausgabe ergeben. Hieraus ersieht man, dass der Guessardsche Text für nichts weniger als définitif gelten kann. Eine Rehabilitirung der handschriftlichen Überlieferung erschien durchaus geboten, besonders für die wichtigen Wortverzeichnisse, deren Überlieferung vielfach verderbt ist, und an denen Guessard, wie er selbst angiebt, uncontrollirbare Änderungen vorgenommen hatte (Avert. IX): 'Je ne me flatte pas encore de l'avoir rétabli à la complète satisfaction du lecteur; mais à quelques taches près, que je n'ai su faire disparaître, il ne me semble plus indigne d'être publié'.
Eine Anzahl Conjecturen zu Guessards Text, namentlich zu den Verballisten und Rimarium, veröffentlichten seitdem Diez, Galvani, G. Paris, A. Tobler, P. Meyer, Chabaneau und soeben Bauquier, und während Guessard den Wortverzeichnissen noch lediglich lexicalischen Werth zuschrieb, ist seitdem die Wichtigkeit des Rimariums auch für die provenz. Lautlehre erkannt worden. Der erste, welcher die Raynouardsche Erklärung von 'larg' und 'estreit' wenigstens theilweise aufgab, war Milá y Fontanals. In 'De los trovadores en España S. 461 sagt er betreffs der Verschiedenheit von e, o larg und estreit: 'Debe ser la diferencia entre abierta y cerrada'. Zu demselben Resultate kam Meyer in seinem Artikel über das prov. o (s. unten S. 122. Erläuterungen zu 53(2), 13 ff".). Noch deutlicher sprach sich über die Bedeutung dieser Worte Chabaneau in seiner vortrefflichen Grammaire Limousine (Revue des langues rom. II, 182) aus: 'Par ces expressions, on a voulu distinguer, non la durée du son, mais son intensité et son degré de pureté. Les sons larges étaient les sons ouverts, pleins, sans indécision; les sons étroits étaient les sons fermés, sourds, sans netteté sujets à s'altérer au moindre accident'. Diez Rom. Gr. I3 494 schwankt noch zwischen Raynouards Ansicht und der von Milá und Meyer vertretenen.
Wegen der Muthmassungen Galvanis betreffs der Personen, in deren Auftrag der Donat verfasst wurde, s. S. 130, 131. Dass der Donat in Italien und für Italiener geschrieben wurde, scheint mir ausgemacht, ebenso wird man, seiner Sprache nach zu urtheilen, annehmen dürfen, dass er älter als die Rasos ist, also möglicherweise noch dem 12. Jh. angehört.
Der Anfang des provenzalischen Textes des Donat findet sich nach
Guessards Ausgabe sowohl in Bartschs Chrestomathie 191 ff. wie in Meyers Recueil 149 ff. Meyer giebt dazu in den Anmerkungen Parallelstellen aus Donati Ars minor, aus Priscian und den Leys d'Amors.
Für den noch sehr der Besserung bedürftigen Text der Rasos ist der so eben erfolgte Abdruck von H von gro.sser Wichtigkeit. Eine ital. Übersetzung der Rasos, welche freilich sehr unzuverlässig ist, hat Galvani veröffentlicht (s. unten S. 132). Verfasst sind die Rasos nach Meyer Rom. II, 348 'selon toute apparence pour les beaux esprits de la cour de Pierre II d'Aragon', d. h. im Beginn des 13. Jh. Der Verfall der alt-provenz. Declination, welchen Raimon in der Umgangssprache seiner Zeit constatirt, die Anfügung eines etymologisch unberechtigten s an Nominativformen, worin die Hss. der Rasos übereinstimmen, sprechen allerdings eher für eine etwas spätere Abfassung. Was die 22 Liedercitate anlangt, welche sich bei Raimon Vidal finden (s. das Verz. S. 144), so hält Groeber in Boehmers Rom. Studien II S. 647 für wahrscheinlich, dass sie aus der einen von ihm für B und A angesetzten Quelle R geflossen seien. Der freilich nicht vollständige Variantenapparat, welchen ich in den Abweichungen zu den Citaten zusammengestellt habe, bietet
allerdings mehrere Fälle einer Übereinstimmung der Rasos (ß3) mit
ßa so: 75, 31 (aber auch noch ***); 75, 39 (aber auch U); 85, 1
(aber auch wenigstens noch U c). Auch 77, 33 stimmt B allein (wie ***), 87, 1 (wie R) und 83, 11 zu ß3, während A wie die andern Hss liest.
86, 41 stimmt B allein zur Lesart unserer Hs. B, während A zu R tritt und unser B mit der Mehrzahl der Hss. geht. Aehnlich verhält es sich bei 86, 46, wo unser B mit ***, während A mit * stimmt und unsere Hss. ** an ** anklingen. Die Cobla, welcher das Citat 83, 15 entnommen, fehlt dagegen in Ba wie in **** und es stimmen zu **** (fast auch O und *). Das Citat 83, 22 und auch das voraufgehende desselben Gedichtes (70, 7), welches in B fehlt, stimmt genau nur zu M, freilich weicht die folgende Zeile ebenso bestimmt wieder davon ab. Man beachte aber für diese Zeile die etwas nähere Berührung unserer Hs. H mit M. Dieselbe Berührung wiederholt sich 84, 14. Auch 87, 35, welches Citat allerdings nur in der Hs. B steht, stimmt nur mit M gegen *****. Bedenklich ist
besonders die Übereinstimmung von ß3 mit A im Citat 84, 21,
während
sich B zu ** stellt. Nach dieser Darlegung erscheint die Annahme
wahrscheinlicher, dass Raimon seine Citate mehreren Liedersammlungen
entnommen habe, deren eine mit denen der Hss. Ba in naher
Textverwandtschaft stand. Wichtiger als dies ist die Beobachtung,
dass die Schreiber der Vorlagen unserer Hss. sich in einigen Fällen
erlaubt haben, ihnen geläufigere Lesarten der Citate einzusetzen,
das that 86, 41 der Schreiber der Vorlage von B; 83, 22 und 84, 14
der der Vorlage von H und vielleicht 86, 46 die Schreiber der Vorlage
von BH. Dieser letzte Fall ist auch deshalb hervorzuheben, weil er
für Verwandtschaft von B und H spricht. Diese Verwandtschaft lässt
sich auch noch aus anderen gemeinsamen Fehlern erkennen, so 68, 16;
70, 35; 71, 29; 85, 1. Meine S. 132 ausgesprochne Ansicht von der
gegenseitigen Unabhängigkeit der Hss. *** hätte daher genauer
formulirt werden sollen. Lesarten, welche den Hss. ** gemeinsam sind,
dagegen von * abweichen, haben noch keinen unbedingten Anspruch auf
Richtigkeit, wenn sie auch im Allgemeinen den Vorzug vor
entgegenstehenden Lesarten von * verdienen *)
(N. E. Se omiten
los pies de página.)
In ähnlicher Weise gruppiren sich für den Donat die Hss. ***
zusammen, ihnen gegenüber steht mit oft stark veränderten Lesarten *.
Die Hs. D ist, wie die Verballisten zeigen, wieder am nächsten mit U verwandt, ohne gleichwohl aus ihr geflossen zu sein. Jede der Hss. bietet natürlich eigene und zum Theil recht schlimme Fehler, am verwahrlosesten ist aber der Text von *C, dessen ital. Schreiber seine Vorlage offenbar wenig oder gar nicht verstand. Auch der Corrector Piero del Nero scheint nicht viel tiefergehende Kenntnisse der prov. Sprache besessen zu haben.
Als ich im Jahre 1872 in Folge meiner Beschäftigung mit der Liederhandschrift ß (unser B) eine Revision der Guessardschen Ausgabe über die florentiner Hss. unternahm, lag mir der Gedanke, die Grammatiken von neuem zu publiciren, fern. Die Wichtigkeit der
Wortverzeichnisse liess mir aber die Mühe einer genauen Nachprüfung
nicht unnütz erscheinen, zumal ich bald merkte, dass hier mancherlei
interessante Berichtigungen zu machen waren. Am besten wäre es
gewesen,
ich hätte mir sogleich vollständige Copien nach den Handschriften
angefertigt. Bei der mir karg zugemessenen Zeit beschränkte ich mich
indess auf blosse Collationen und verglich ausserdem nur für die
Wortlisten auch den lat. Text der Hs. U, ebensowenig kam ich zu einer
Gollation des lat. Textes der Hs. B.
Als ich später auf der
Rückkehr von meiner 'Romvart' wenige Tage in Mailand zubrachte,
konnte ich auch die Hs. D nur flüchtig einsehen.
Zwar hatte ich
unter den von mir für die Rivista di filologia romanza bestimmten
Arbeiten bereits auch eine über die beiden prov. Grammatiken
angekündigt, die Ausführung derselben verzögerte sich indess,
zumal ich mittlerweile zu der auch von Tobler und Meyer später
ausgesprochnen Ansicht gekommen war, dass die Guessardsche Ausgabe
durch eine ganz neue zu ersetzen sei, welche vor allem die handschriftliche Überlieferung klar stellte. Im Frühjahr 1876 wurde mir
durch die gütige Vermittlung des preussischen Cultusministeriums unsere
Hs.
* auf einige Wochen zugestellt. Nun glaubte ich nicht länger zögern
zu dürfen, und da eine leihweise Überlassung der übrigen Hss.
nicht zu erwirken war, beschloss ich, so gut es mit meiner Collation
von Guessards Druck anging, den Text U des Donat und den Text B der
Rasos zu reconstruiren, den Text C aber in gegenüberstehender Spalte
unmittelbar nach dem Original zu veröffenthchen. Die lat. Version
des Donat habe ich nicht wieder abdrucken lassen, weil sie nur von
geringfügigem Interesse ist, und der Paralleltext C sie auch nicht
bietet; die Übersetzung zu den Beispielen und Wortlisten hingegen
durfte um so weniger unterdrückt werden, als sie meist auch in *
vorhanden ist.
Lat. Lesarten, welche in der ersten Guess. Ausg.
fehlen, aber in der zweiten stehen, sind eingeklammert, sie sind von
G. zumeist aus * entlehnt. Für die Wortlisten, welche in * fehlen,
erschien mir ein Doppeltext unpractisch und habe ich deshalb die
Lesarten von ** derart combinirt, dass bei Übereinstimmung beider
Hss. die gemeinsame Lesart ohne jegliche weitere Bezeichnung blieb,
bei Abweichungen aber die Lesart * stets vorangestellt wurde. Sobald
ein Wort nur in einer Hs. vorkommt, ist das Siegel derselben dem
prov. Texte angefügt, ebenso der Übersetzung, sobald sie oder ein
Theil derselben nur in einer Hs. überliefert ist. Provenzalischer
Grundtext und die lat. Übersetzung sind durch dazwischen gesetztes
.i. (= id est s. * 21, 11) geschieden.
Ich habe diesen Gebrauch,
welcher sich nur in ** findet, auch auf U übertragen. Die
Interpunction Guessards habe ich vereinfacht, die handschriftlichen u
und i für V und J wiederhergestellt; leider habe ich kein rechtes
Prinzip bei Anwendung von Inklination oder Elision befolgt. Ich bin
jetzt der Meinung, dass Inklination hier wenigstens nur statthaft
ist, wo Elision unmöglich ist (Vgl. Mussafia Cat. Vers. der 7 w. M.
§ 78).
Ich stütze mich dabei auf die verschiedne Behandlung der Praep. en vor dem elidirten und inklinirten Artikel (en l', el s. Wortverz.)
Der Abdruck von * sowohl des Donat wie der Rasos ist eine durchaus getreue Wiedergabe der Hs. mit allen ihren Fehlern. Die Abkürzungen der Hs. sind aus typographischen Rücksichten durch Apostrophe wiedergegeben, die Nachträge zweiter Hand durch Cursivdruck kenntlich gemacht (aus Versehen sind die Worte S. 67, 30, 31 cursiv gedruckt), ein Rand-Nachtrag erster Hand auf S. 86, 41, 42 ist in eckige Klammern gesetzt. Der vollständige Abdruck des prov.-ital. Glossars von * erschien mir besonders deshalb geboten, weil der Verfasser desselben, der Schreiber von *, dazu offenbar die Wortlisten des Donat benutzt hat. Über die Zusammensetzung der Abweichungen, Verbesserungen, Änderungen und Erläuterungen, verweise ich auf SS. 92, 99, 105, 121, 132.
Dank der Freundlichkeit P. Rajna's, dem ich die Collation von D schulde, und Monacis, der mir bereitwilligst * collationirte, und kürzlich noch durch seinen Schüler Molteni eine Collation von U und B verschaffte, so wie Dank der Zuvorkommenheit Paul Meyers, welcher mir die Correcturabzüge seines Abdrucks von H übersandte, darf ich hoffen, dass meine Arbeit für weitere Studien und Besserungsversuche einen sicheren Boden gewährt. Das beigegebene Namenregister und Wortverzeichniss wird, denke ich, willkommen sein. Die ital. Übersetzung des Glossars habe ich darin zur schärferen Sonderung von der lat. in Klammern gesetzt. Falsche Formen sind fast nur verzeichnet, wo eine sichere Besserung fehlte, eine eigne deutsche Übersetzung ist nur ganz ausnahmsweise beigefügt. Ich hatte anfänglich beabsichtigt, dieser Ausgabe eine vergleichende Untersuchung über die Reime der provenz. Dichter und das Rimarium des Donat beizugeben, habe aber davon Abstand nehmen müssen, da mir die Zeit zur Bewältigung des umfangreichen Materials fehlte. Ebenso hatte ich beabsichtigt, die muthmasslich älteste nordfranzösische Grammatik, welche sich in einer Hs. des Oxforder All Souls College befindet, den Donait françois von John Barton anhangsweise zu veröffentlichen. Die erhoffte Copie desselben ist aber nicht in meine Hände gelangt.
Marburg im October 1877.
E. Stengel.
Nachträge und Besserungen zu den Abweichungen, Verbesserungen,
Änderungen, Erläuterungen S. 92 ff.
(N. E. Se omite)
Bibliothèque
de l'École des Chartes I, S. 166, Grammaires provençales, S. 2.
A 1a. C 1a.
Incipit
Donatus prouincialis A q'st es le donatz proensals
faitz
per la raizo de trobar
|
Las
oit partz que om troba [.i. ille], aitel [.i. ille], aquest .i. iste, nostre .i. noster, uostre .i. uester que
no uolon s en la fi, e sun del nominatiu singular. |
Las
oit partz q' hom troba en Et
sum es est uol nominatiu cas & de nanse (denan se), et de ret
se, si con 'arpulins es bos homs', E deues saber (2a) qel
nominatius singularis cait el masculins, si comes 'auzels', o
neutris si comes 'castels'. e'bes'. e 'gauges' uol .s. en bast eb
autte cas no uolun. El nominatiu's plurals no uol s. en lafi e
au't li autre cas uolon lo em plural. e tuit li femenin, qe
fenissen en a non uolon .s. el singular, e son endeclinabel zo es,
qe non se declinon, car finissen tuit li cas en a en lo singular.
mas en lo plural uolun .s. per totz los cas en la fi, e finissen
tuit en as, solam'
non se podon entefidre (entendre), ni non portan complida
sententia son aiectiu. si con 'bons mals pros ualens' non se pot
entendre de cui el aissi non portairan dreira (dreita) sentencia
mas si eu dic 'martins es ualens caualiers, o 'Joans es pros',
adons es complida sentenza per a qel nom zo es martins, et per
aq'l nom zo es Joans q' son substantiu, Et per zo son dit
adiectiu. zo es a iustantiu, car a' iustan las soas signifiazons
ab lor sustatiuis, E tuit aqill nom, qe per se solam portan
perfetta sentenza, e qe se podon entendre per se son substantiu,
si con es 'petre na maria homs do'pna', et per son dit substantiu.
car per se solam' podon star, e portan perfetta sentenza, en
construction Not'o Tu gt'o de te Datiuo a te, Accusatiuo te Voc'o. o tu ablatiuo a te, et plural'r nom'o. uos, et aissi per totz los cas plurals si cun de uos a uos, uos o uos ab uos Et deues saber qe tuit li pronom della terza persona trait 'eu', qe es de la prima et 'tu' qe es de la segonda, si cun es ditz de sus et tuit li uocatiui. qe tuit li uocatiui son de La segonda persona. si cun 'o arpulins danza' uezetz cun a qel arpulins, qe es uocatius. car es de la segonda persona sa iusta ab aqel uerbe. zo es danza qe es dela segonda persona Nt'o
el. Gt'o delui. Datiuo a lui, Accus', lo Voc'. no' a. car es
demonstratius de la terza persona & al si non pot auer
uocatiu. car lo uocatius es de la segonda persona si cu' es dig
desus. Ab'to ablui. et plurl'r n'to ili. Gt'o dels. Dat'o aels.
Act'o los Ab'to abels E a q'st pronom si cun 'nostre uostre', sun endeclinabel el singular. et en lo plural fan si cun li autre adiectiu nom, car en lo nominatiu plural no' uol s. ni en lo uocatiu & en totz los autres lo uolon. si cun plral' Nom'o li nostre. Gen'o. dels nostres Dat'o. als nostres. A qesti 'meus. teus. seus'. se guen a qella metesma regola dels noms. car. en lo uocatiu singular uolon s. & en los autres cas singulars no' Lo uolon, et en lo nominatiu plural non lo uolon et en totz los autres cas lo uolon |
Sequitur de Verbo
|
(12)
Uerbes es apelatz, quar es cu' modis et formis et temporibus e
significa alcuna causa far o suffrir, si cum 'eu bate |
Verbs es appellatz. car es cu' maneiras, et formas et tempus, e significa alcuna causa fa o sufrir si cun 'cu bate martin'. seu bate eu faz alcuna causa, seu Martis es batutz el sufre alcuna causa … (10a) ... |
Modi Verborum
|
Cinc
sun li modi dels uerbes, endicatius, imperatius, optatius,
coniunctius, infinitius. Endicatius es apelatz, quar demostra lo
faiç |
Li
Modi del uerbs son cinc,
|
(N. E. Continuará, estoy en ello)
